Linux Mint: Thunderbird in neuester Version – mit allen Funktionen

Meine Lieblingsdistro Linux Mint mit Cinnamon Desktop hat so ihre Eigenarten… Die Verantwortlichen goutieren snap rein gar nicht, was ich nachvollziehen kann. Aber das wäre eine andere Diskussion. Manches hängt auch damit zusammen, auf welche Distro die aktuelle Ausgabe im Upstream zurück greift – also Debian oder Ubuntu, und natürlich in welcher Version.

Dann wiederum hängt manches davon ab, wie es sich mit den Möglichkeiten der Monetarisierung für Linux Mint verhält – das sorgt in erster Linie dafür, welche Suchmaschinen als Vorgaben eingestellt sind usw. Kann man ja alles recht leicht ändern.

Ärgerlich ist aber, wenn Software aus den Repositories raus fliegt. Auch das ist bisweilen nötig, wenn sie etwa nicht ausreichend gepflegt wird und veraltete Abhängigkeiten erfordert. Man will ja auch nicht, dass einem irgend so ein Tool das System zumüllt.

Die Thunderbird Misere

Bei einem Programm wie Mozilla Thunderbird – immerhin der wichtigste Email-Client für Linux – ist das schon eher blöd.

Zuerst zu neu…

Vor einiger Zeit hatte ich das Problem, dass ein für mich unverzichtbares AddOn von Thunderbird etwas lahm beim Updaten war (der Gerechtigkeit halber muss aber gesagt werden, dass es wegen interner Änderungen bei Thunderbird ganz neu geschrieben werden musste). Also blieb mir nichts anderes übrig, als eine alte Version des Email-Clients zu fixieren.

Darin unterstützt einen apt ja grandios – eine Ausnahme-Datei anlegen und schon passt das. Die Ausnahme-Dateien liegen in /etc/apt/preferences.d/ – ich verwende als Editor immer nano oder auf der grafischen xed, aber das kann man halten, wie man will.

sudo nano /etc/apt/preferences.d/thunderbird.pref

Das erzeugt – falls man am Ende im Editor auch wirklich speichert – eine Datei namens thunderbird.pref im Vorgabenverzeichnis. In diese Datei kommen diese 3 Zeilen:

Package: thunderbird
Pin: version 68.*
Pin-Priority: 1001

Nun weiß apt, dass wir uns auf die Hauptversion 68 beschränken wollen.

Hat für mich perfekt geklappt.

Aber irgendwann war der Re-Write des lang ersehnten AddOns dann fertig und ich konnte auf die neueste Version umsteigen – also die Datei einfach löschen:

sudo rm /etc/apt/preferences.d/thunderbird.pref

Neue Version Thunderbird spielt mit neuer Version des AddOns.

… dann zu alt

Seit einiger Zeit aber vermisse ich arg, dass Linux Mint die Hauptversion von Thunderbird auf 78 festhält, wo wir doch eigentlich schon 91 haben…

Exkurs Snap & Co

Ich könnte natürlich die aktuelle Version von snap oder flatpak installieren. Beides sind alternative Software-Manager. Sie haben für die Ersteller und Maintainer von Softwarepaketen den Vorteil, dass sie distributionsunabhängig angelegt sind, man spart sich also das Gefrickel, für jede Distro eine eigene Installationsvariante zu erstellen. Ein nachvollziehbares Anliegen von seiten der Entwickler und Maintainer.

Wenn ich mir aber daran nicht gefüllt, welchen nutzlosen Overhead das bei mir auf dem System einrichtet. Beispiel gefällig?

Thunderbird kann man normalerweise recht einfach starten – direkt auf der Kommandozeile, aber genau dasselbe steht auch im Starter, den die grafische Oberfläche zur Verfügung stellt:

thunderbird

Schaut man sich dagegen mal an, welchen Befehl es erfordert, um Thunderbird zu starten, wenn es mittels flatpak installiert wurde:

/usr/bin/flatpak run --branch=stable --arch=x86:64 --command=thunderbird --file-forwaring org.mozilla.Thunderbird @@u %u @@

Wohl gemerkt, die beiden Varianten tun am Ende exakt das gleicht: nämlich Thunderbird starten…

Rätselfrage: wo kriegt man damit den ProfileManager? Normalerweise geht das so:

thunderbird --ProfileManager

Meine ersten beiden Versuche (natürlich ohne jede Nachschau oder Hilfe) schlugen fehl, dann hat mich der Rappel gepackt. Es kann doch nicht sein, dass mein System jetzt nicht mehr funktioniert wie ein Linux System funktionieren sollte.

Also habe ich den ganzen flatpak-Krempel deinstalliert, nicht nur Thunderbird sondern auch flatpak insgesamt. Wer braucht denn sowas? Im Moment gibt es alles, was ich brauche, auch als DEB-Package.

Variante 1: Das originale DEB-Package von Thunderbird

Das originale DEB-Package für Thunderbird gibt’s auf der Seite von Thunderbird. Entweder direkt hier, oder man hangelt sich von der Startseite über den (zugegeben sehr kleinen) Link „Systeme & Sprachen“ hin.

Einfach mit Doppelklick zu installieren, dann ist die neueste Version von Thunderbird da.

Diese Version kann sich selber aktualisieren, von Zeit zu Zeit kommt dazu ein Hinweis direkt in Thunderbird. Es fehlen natürlich eventuelle Tweaks, die das Linux Mint Team dem Email-Client sonst angedeihen lässt. Ich hab’s nicht recherchiert, aber mir ist nichts Negatives aufgefallen.

Wenn es jetzt hier Schwierigkeiten gibt, dass entweder der Kommandozeilen-befehl thunderbird nicht funktioniert oder der Email-Client nicht als „Bevorzugte Anwendung“ für Emails eingestellt werden kann, dann siehe weiter unter bei Problem 1 respektive Problem 2

Variante 2: Das bz2-Archiv von der Thunderbird Hompage

Das bz2-Archiv ist einfach eine gepackte Version des Email-Clients, also der gesamte Inhalt des Programmverzeichnisses. Auf der grafischen Oberfläche im Dateimanager einfach mit rechter Maustaste „hier entpacken“. Dasselbe geht natürlich auch gleich direkt auf der Kommandozeile – der Dateinahme ist natürlich an den jeweils vorliegenden Download anzupassen:

tar xvjf thunderbird-91.5.1.tar.bz

Sinnvollerweise tut man das in einem Ordner, wo man seine speziell installierten Apps beisammen hat. Ich verwende dazu das Verzeichnis __apps_ im Homeverzeichnis. Kann man aber organisieren, wie man will, es ist aber wichtig zu wissen, wo man es hin getan hat…

Denn wir wollen auch für diese Variante natürlich alle Integrationen in die Benutzeroberfläche haben, wie wir auch sonst gewohnt sind.

Starter erstellen

Wir wollen einen Starter haben, der sowohl im Startmenü angezeigt wird, als auch wahlweise auf dem Desktop liegen und in die Taskleiste integriert werden kann.

Auf dem leeren Desktop dazu mittels rechter Maustauste „Neuen Starter hier erstellen“:

Hier ist also der Ort wichtig, an dem das Archiv entpackt wurde… Dort liegen nämlich die Datei thunderbird, auf die im Feld „Befehl“ verwiesen werden muss, als auch die Logo-Datei, die man mit dem roten Icon oben links ändern kann:

Hier kann man ins Suchfeld „thunderbird“ eingeben und schauen, ob das Logo schon da ist – dann einfach dieses verwenden. Falls aber nicht, den Button „Durchsuchen“ klicken und sich in den Ordner der Thunderbird-Installation hangeln. Dort ist es dann im Unterverzeichnis chrome/icons/default/ zu finden. Ich nehme immer die größte verfügbare Auflösung. Das dann übernehmen, im Symbol-Dialog nochmals auswählen und OK.

Noch bei „Name“ was eingeben, „Kommentar“ ist eigentlich überflüssig.

Und jetzt WICHTIG – nach dem OK:

Den Starter zum Menü hinzufügen? JA !!! Sonst müssen wir uns darum auch noch kümmern…

Der Starter liegt jetzt auf dem Desktop – und im Startmenü. Im Startmenü kann man mit Rechtsklick ganz normal „Zur Leiste hinzufügen“ auswählen, um den Starte in die Taskleiste zu befördern.

Problem 1: Thunderbird von der Kommandozeile starten

Wird mancher vielleicht nie brauchen, aber falls man mal den ProfileManager erreichen möchte, ist das der einfachste Weg:

thunderbird-ProfileManager

Solange wir dem System aber nicht erklärt haben, wo unser thunderbird liegt, geht da natürlich rein gar nichts. Ist aber recht einfach, indem wir einen Link zu unserem Verzeichnis in dem Ordner /usr/bin/ legen:

sudo ln -s ~/__apps_/thunderbird/thunderbird /usr/bin/thunderbird

Hierzu ist es wichtig, den Ort noch zu wissen, wo man das Archiv entpackt hat…

Nun aber geht auch das.

Problem 2: Thunderbird als Standard-Email-Client einrichten

Im Dialog „Bevorzugte Anwendungen“ der Systemsteuerung steht vermutlich kein „Thunderbird“ zur Auswahl… Das hat gravierende Nachteile: kein mail-to Link einer Homepage usw. öffnet Thunderbird – es wird immer jene Applikation herangezogen, die dort als bevorzugt eingestellt ist. Das will man wohl auf Dauer auch nicht haben.

Nachdem der Starter auf dem Desktop liegt, können wir einen Link in die Liste befördern, die der Auswahl in „Bevorzugte Anwendungen“ zugrunde liegt:

sudo cp ~/Schreibtisch/ThunderBird.desktop /usr/share/applications/.

Diese Liste liegt im Ordner /usr/share/applications. Kopiert man einen Starter, das ist eine *.desktop-Datei, dort hin, steht sie in den Auswahlen zur Verfügung.

Und siehe:

Alles erledigt. Ein sauberes System ohne snap und flatpak Overhead, trotzdem die neueste Version des Email-Clients, der sich auch selbsttätig aktualisieren kann. Mir ist das so schon wesentlich lieber.

Aber warum würde man eine bz2 Installation machen wollen, wenn es doch eh ein installierbares DEB-Paket gibt?

Nun, auch das DEB-Paket ist kein spezielles Linux Mint Paket – kann also gut sein, dass es auch damit an der Integration mangelt – siehe Problem 1 und Problem 2 oben.

Ich halte gerne mein System recht aktuell, traue aber dem Update-Prozess von einer Hauptversion in die nächste nicht wirklich über den Weg. Also setze ich hin und wieder mein System ganz neu auf. Da ist es natürlich praktisch, wenn ich manche Dinge eben nicht im System liegen habe, sonst muss ich alles von Grund auf wieder neu machen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

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